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Arbeitskreis Heimische Orchideen NRW

Der Steinbruch Rolloch in Hagen-Hohenlimburg

19. November 2017 | Orchideen

Einzigartiger Biotop, nicht nur für Orchideen

Dactylorhiza-Hybride aus der Steinbruchfläche im Mai 2017  ((Wilfried Kuhn))

Um 1920 wurde in Hohenlimburg-Oege (heute ein Stadtteil von Hagen) ein Kalksteinbruch in Betrieb genommen. Dieser Steinbruch zeichnete sich dadurch aus, dass er ohne oberirdische Zufahrt als von allen Seiten umschlossenes Loch in die Tiefe abgebaut wurde. Die Erschließung erfolgte über einen Stollen vom Ufer der Lenne aus. Durch diesen Stollen wurde das Material zunächst herausgekollert, später wohl auch gefahren. Daher erhielt der Steinbruch auch den Namen "Rolloch".

Durch die besondere Form des Abbaues entstand ein Steinbruch mit einem Durchmesser von etwa 300 m, der auf allen Seiten über geschlossene Felswände verfügte. Nach Beendigung des Abbaues wurde der Stollen verschlossen, er ist aber heute noch sichtbar. Der Bruch wurde dann bis in die 1990iger Jahre als Absetzbecken für die Spülwässer aus dem neuen Steinbruch, der östlich des Steinbruches Rolloch zur Stadtgrenze nach Letmathe (Stadt Iserlohn) liegt, genutzt.  Im neuen Steinbruch werden die gebrochenen Gesteine gespült und von Erde befreit. Die sedimenthaltigen Spülwässer wurden vor Ableitung in die Lenne in den alten Steinbruch Rolloch eingespült. Dort setzte sich das Sediment ab und das überstehende, klare Wasser wurde dann der Lenne zugeleitet. So wurde die Lenne mit den empfindlichen Fisch-Habitaten nicht durch Schlämme beeinträchtigt. Die Sedimente im Steinbruch selbst sind natürliches Bodenmaterial, also ohne eine anthropogene Belastung.

Im Laufe der Jahrzehnte füllte sich so der Rolloch immer weiter mit Sedimenten auf, so dass der Betrieb als Spülteich im den 1990iger Jahren aufgegeben wurde. Übrig blieb zunächst eine große, überwiegend flache Wasserfläche mit weiten, offenen Schlammflächen am Rand. Im Laufe der Jahre trocknete der Steinbruch ab, so dass die zunächst offenen Schlammflächen bis auf einen Rest-Weiher am Nordrand zu Tage traten. Mit zunehmender Abtrocknung wurden die Schlammflächen fest, der Weiher verlandete bis auf eine Restfläche, die heute vielleicht noch etwa 20% des Bruches ausmacht. Die festen Böden wurden zunächst von Stauden und Gräsern, später auch von Gehölzen (vor allem Birken, aber auch Kiefern, Pappeln, Erlen und Robinien) besiedelt. Der Rest-Weiher ist nahezu vollständig mit Schilf bestanden, welches auch die noch feuchteren Randbereiche besiedelt.

Durch die Einspülung hat sich das Material in der Korngröße sortiert, ist aber durchweg kalk- und basenreich. Im Süden des Bruches befindet sich eher sandiger, auch quarzhaltiger Boden (Der Kalkstein in Hohenlimburg hat häufig Quarzeinschlüsse.). Diese Bereiche sind trockener und auch heute nur sehr lückig mit Birken bestanden. Der Boden ist vegetationsarm und bietet wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten guten Lebensraum. Im Norden zum Weiher hin ist feineres, lehmiges Material vorherrschend. Entsprechend ist der Boden zumindest wechselfeucht, zum Weiher hin auch dauerfeucht, ohne jedoch tiefgründig schlammig zu sein. In diesen Bereichen hatten die Birken in den letzten Jahren deutlich zugenommen und bildeten teilweise schon ein relativ dichtes Gebüsch. Im Untergrund ist eine teilweise dichte, teilweise lückige Vegetation aus Gräsern und Hochstauden durchsetzt mit lichtem Schilf und Riesen-Schachtelhalm vorhanden. Inzwischen ist die Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Bedingt durch die unterschiedlichen Bodenverhältnisse haben sich in den letzten Jahren zahlreiche seltene Arten dort angesiedelt. Neben verschiedenen Schachtelhalmen, die z.T. im Hagener Raum nur hier vorkommen, sind dies z.B. das Rundblättrige Wintergrün, Akelei, Goldlack und Kreuzblümchen. Außerdem wird die Sohle von hunderten Knabenkräutern besiedelt. Nach erster Einschätzung handelt es bei diesen Orchideen um zwei Hybriden aus dem Fleichfarbenen Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) und dem Fuchs- Knabenkraut (Dactylorhiza furchsii) sowie aus dem Fuchs- und dem Breitblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza majalis). Durch die unterschiedlichen Elternarten blüht die erste Hybride relativ früh im Mai und Juni, die zweite Hybride deutlich später im Juni und Juli.

Durch die aufkommenden Gehölze wurden die wertvollen Biotope zunehmend beschattet, so dass auf Dauer die Lebensbedingungen für die seltenen Tier- und Pflanzenarten verloren gegangen wären. Mit Unterstützung des Eigentümers (Hohenlimburger Kalkwerke) und der Stadt Hagen haben am 18.11.2017 insgesamt 34 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer etwa die Hälfte des Steinbruches gemäht und mit Motorsäge und Freischneider nahezu flächig von Gehölzen befreit. Unterstützt wurde die Aktion des AHO-NRW durch die Biostation, die auch die Geräte stellte, sowie durch die BUND-Kreisgruppe Hagen, die den Förderantrag gestellt hat. Zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kamen aus verschiedenen Mitgliedsorganisationen des BDKJ (kirchliche Jugendorganisation) hinzu. Durch eine Kooperation mit der AWO haben auch fünf geflüchtete Menschen aus Eritrea sehr tatkräftig bei der Aktion geholfen. Alle Beteiligten – wie auch die Eigentümer – waren begeistert, welch große Fläche sich in gut 6 Stunden durch die vielen Helferinnen und Helfer bearbeiten lies. In den Wochen zuvor hatte der Eigentümer dankenswerter Weise den Steinbruch bereits von einem halben LKW Müll befreit, der dort innerhalb des Naturschutzgebietes an zahlreichen illegalen Feuerstellen lag.  

In den nächsten Jahren wird der AHO-NRW beobachten, wie sich die nun wieder freigestellten Bereiche botanisch wie zoologisch entwickeln werden. Für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten und die Orchideen ist wieder ausreichend Lebensraum vorhanden.

Der Dank des AHO-NRW geht an alle Beteiligte  - vor allem aber an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Christoph Gerbersman 

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