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Arbeitskreis Heimische Orchideen NRW

Frauenschuh

Cypripedium calceolus L.

Etymologie:
(griech.) Kypris: Beiname der Venus; pedilon: Schuh oder Pantoffel
(lat.) calceolus: kleiner Schuh

Blütezeit: Ende Mai bis Mitte Juni.

Typische Merkmale: 20-50cm hoch. Zwei bis fünf kräftig geäderte, große, ovale, vorn zugespitzte Blätter. Blütenstand ein- oder zweiblütig, sehr selten dreiblütig. Tragblätter laubblattartig. Sepalen und spiralig gedrehte Petalen braunrot, seitliche Sepalen miteinander verwachsen und nach unten gerichtet. Lippe gelb, pantoffelförmig. Säule mit zwei fertilen Staubblättern.

Variationsbreite: Die sehr seltene Farbvariante mit gelbgrünem Perigon, der sogenannte "Goldschuh", wurde in NRW noch nicht gefunden.

Ähnliche Arten: Keine; blühende Pflanzen sind durch ihre großen, auffälligen Blüten mit dem gelbem „Schuh“
unverwechselbar.

Biotop: Lichte Laub- und Nadelwälder, lichte Gebüsche; auf humusüberdecktem Kalk.

Verbreitung in NRW: Die Art erreicht in NRW die NW-Grenze ihrer Verbreitung. Aktuell kommt die Art in Nordrhein-Westfalen nur noch an sechs Fundorten im östlichen Weserbergland und an einem in der Westfälischen Bucht vor. Nach starken Rückgängen der Art bis in die 1990er Jahre haben sich die Bestände zumindest an zwei der noch existierenden Vorkommen erholt. Hier erfolgten z. T. umfangreiche Maßnahmen, um die Lebensräume und Populationen der Art zu verbessern (vgl. „Förderung von Orchideen im Kreis Höxter durch das LIFE+-Projekt ‚Vielfalt auf Kalk‘“ auf Seite 86).

Die letzten Vorkommen im Weserbergland liegen an den Steilhängen der Weser und ihrer Nebenflüsse über Muschelkalk. Von den zahlreichen Fundorten zwischen Egge und Weser sind mehr als 75 % z. T. bereits seit vielen Jahrzehnten verschollen oder ausgestorben. Auch für den westlichen Teil des Weserberglandes gab es im Osning (Raum Lengerich) mehrere Fundorte. Hier ist die Art Ende der 1980er Jahre letztmalig beobachtet worden.

Gefährdung: Änderung der Waldnutzung. Bedingt durch ihre Auffälligkeit ist die Art durch Abpflücken und Ausgraben sehr stark gefährdet. Wegen der großen Gefahr des Ausgrabens werden in anderen Bundesländern größere bekannte Populationen zur Blütezeit bewacht. Eine Gefährdung besteht vor allem dort, wo die Vorkommen durch eine zu hohe Deckung der Baum- und Strauchschicht ausdunkeln. Auch eine zu dichte Krautschicht führt zum Rückgang der Art.

Rote Liste NRW: 2 (stark gefährdet)

Bemerkungen: Die Art ist durch Anhang II der FFH-Richtlinie europaweit geschützt. Die auffällige gelbe Lippe dient als Kesselfalle für kleine Sandbienen (Andrena spec.), die an dem nach innen gebogenen Rand in das Innere fallen. Farblose helle „Fenster“ an der Rückwand des Schuhs signalisieren einen Ausweg. Dort können sie sich über Haare hinweg durch eine kleine Öffnung zwängen, an der sie mit Pollen beschmiert werden bzw. diesen abstreifen.

 

Stand: 05.2019. Für weitere Informationen und Quellen siehe unsere Buchpublikation 2018

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