Nordrhein-Westfalen des BUND NW

 Nadelforste

Abgesehen von Wacholder- und Eiben-Vorkommen sowie von kleinen Waldkiefern- Moorwaldrelikten im Südosten der Westfälischen Bucht gibt es in Nordrhein-Westfalen keine natürlichen Nadelholzvorkommen. Unsere Fichten-, Kiefern-, Douglasien-Forste usw. sind somit auf Pflanzungen zurückzuführen. Kuppenlagen im Wuchsgebiet der Kalkbuchenwälder wurden in den letzten einhundert Jahren häufig mit Kiefern (Pinus sylvestris und Pinus nigra) aufgeforstet, die jedoch eine meist schlechte Wuchsleistung aufweisen und relativ licht sind. Dieser Umstand hat für eine Reihe von Orchideenarten des Kalkbuchenwaldes – vorausgesetzt die Bestockung ist nicht zu dicht und die forstliche Nutzungsintensität nur gering – einen durchaus geeigneten Lebensraum hervorgebracht.

Kiefernwald auf ehemaligen Kalkmagerrasen in der Nordeifel. Foto: S. Sczepanski

So finden sich in Kiefernforsten auf flachgründigen Kalkböden Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) und Rotes Waldvöglein (Cephalanthera rubra), Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) und Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri), Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) und als große Seltenheit den Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Einige dieser Arten sind als Relikte der Kalkmagerrasen anzusehen, die vor den Aufforstungen viele der entsprechenden Standorte eingenommen hatten. Als weitere Besonderheit in Kiefernforsten der Eifel und des Weser- und Diemelgebietes ist das Kriechende Netzblatt (Goodyera repens) zu erwähnen: Das Netzblatt kommt bei uns nur in diesen Biotopen an moosreichen Stellen vor.

Auch in Nadelforsten, die nährstoffreiche Laubmischwälder ersetzen, können an einzelnen Stellen günstige Lebensbedingungen für Orchideen vorherrschen. So taucht z.B. an frisch geschobenen Forstwegen im Fichtenwald hier und da das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) auf, vermehrt sich schnell und verschwindet nach einigen Jahren wieder. Die dichte Bestockung in Fichtenbeständen verhindert zumeist, daß genügend Licht den Waldboden erreicht; häufige Störungen der Bodenvegetation durch Forstaktivitäten verhindern ebenfalls das Aufkommen von Orchideen. Am häufigsten trifft man auf relativ anspruchslose Arten wie das Große Zweiblatt (Listera ovata), seltener auf Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia).