Nordrhein-Westfalen des BUND NW

 Feuchtwiesen

Abhängig von Untergrund und Bodenbeschaffenheit, von Nährstoff- und Wasserhaushalt sowie von der Bewirtschaftungsart und -intensität haben sich in feuchten bis nassen Bereichen verschiedene Grünlandgesellschaften ausgebildet. Die meisten dieser Vegetationstypen gehören zu den Sumpfdotterblumen-Feuchtwiesen (Calthion), benannt nach der Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Weitere typische Kräuter sind Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta), Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale) und Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris). In höheren Lagen tritt u.a. die Trollblume (Trollius europaeus) hinzu.

Ein großer Bestand des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis). Foto. S. Sczepanski

Die eher nährstoffreichen, gedüngten Gesellschaften (z.B. Kohldistelwiese und Wiesenknöterich- Gesellschaft), weisen zumeist keine Orchideenvorkommen auf. Dahingegen stellen die nährstoff- und meist auch basenarmen Gesellschaften (v.a. die Waldbinsen-Wiese mit Schwerpunkten in den Bachtälern von Eifel und Sauerland sowie die Wassergreiskraut-Wiese im Sandmünsterland) den Hauptlebensraum des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis) dar. Daneben kommen Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), bei ausreichender Basenversorgung auch Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), sehr selten Übersehenes Knabenkraut (Dactylorhiza praetermissa) sowie Dactylorhiza-Hybriden vor. Übergänge zu den Kalkflachmoorgesellschaften sind fließend. Selten auch auf frischen bis feuchten Wiesen anzutreffen sind Arten wie Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Großes Zweiblatt (Listera ovata), und – sehr selten auf kalkreichen, kurzrasigen wechselfeuchten Wiesen – Einknolle (Herminium monorchis). Folgenschwer war dagegen die Intensivierung der Landwirtschaft für das Wanzen-Knabenkraut (Orchis coriophora): diese Art der ungedüngten, mageren Feuchtwiesen ist seit Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen ausgestorben.

Auf zumeist sauren, wechselfeuchten Standorten mit jahreszeitlich schwankendem Grundwasserstand waren früher Pfeifengraswiesen (Verband Molinion) weiter verbreitet. Sie sind jedoch heute infolge von Düngung und Entwässerung fast völlig verschwunden. Das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) ist hier nicht selten, aber auch Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) und Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) (an kalk- und basenreichen Standorten) besitzen Vorkommen in Pfeifengraswiesen.