Nordrhein-Westfalen des BUND NW

 

Übersehenes Knabenkraut - Dactylorhiza praetermissa (DRUCE) SOÒ

 

Etymologie:
(griech.) daktylos: Finger; rhiza: Wurzel
(lat.) praetermissus: vorbeigelassen, übersehen

Typische Merkmale: Relativ große Pflanzen. Kräftige, ungefleckte Blätter, aufgerichtet bis abstehend, die untersten 2 oder 3 ungefähr in der Mitte am breitesten. Blüten hellpurpurn bis dunkelpurpurrot. Lippe ungeteilt bis schwach dreilappig mit dunkelroter Zeichnung aus Punkten oder kurzen Strichen. Seitlicher Lippenrand ein wenig nach vorn gewölbt. Sporn kegelförmig, ziemlich breit, kürzer als der Fruchtknoten.

Variationsbreite: Dactylorhiza praetermissa subsp. junialis (VERMEULEN) SOÒ, unterschieden durch ringförmige Blattfleckung und stärkere Lippenzeichnung, wurde in NRW noch nicht gefunden. Die nächsten bekannten Vorkommen befinden sich jedoch wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze auf niederländischen Gebiet. Eine ähnliche Blattfleckung gibt es jedoch auch bei einigen Hybridpopulationen.

Biotop: Naßwiesen, Flachmoore, auf kalkreichem Untergrund.

Foto: S. Sczepanski
       

Foto: S. Sczepanski

Blütezeit: Juni

Verbreitung in NRW: Es handelt sich hierbei um eine atlantische Art mit recht spezifischen Standortansprüchen. Die Art erreicht in der Nordeifel und am westlichen Niederrhein die Ostgrenze ihrer Verbreitung. Am Rande des Verbreitungsgebietes können sich Hybriden mit dem Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) offensichtlich besser an sich verändernde Bedingungen anpassen und dadurch die reine Art verdrängen. 1996 bis 1999 konnten einige kleine und eine größere Population am Südrand der Kölner Bucht als Dactylorhiza praetermissa bestätigt werden.

Rote Liste NRW: 2 (stark gefährdet)

Gefährdung: Durch die speziellen Standortansprüche der Art und der Tendenz zur Ausbildung zu Hybridpopulationen. Es gibt nur einige wenige Vorkommen, die alle besondere Schutzwürdigkeit verdienen.

 

Problematik: Die Art ist relativ schwer zu bestimmen. Alle Angaben östlich des Rheines und mehrere Angaben vom nördlichen Eifelrand beruhen höchstwahrscheinlich auf Verwechslungen mit örtlichen, stabilisierten Hybridpopulationen aus Pflanzen mit einem ähnlichen Erscheinungsbild ohne Beteiligung von Dactylorhiza praetermissa. Hybridpopulationen mit dem Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) haben an mehreren Fundorten innerhalb einiger Jahre die reine Dactylorhiza praetermissa verdrängt.