Nordrhein-Westfalen des BUND NW

 

Übersehene Stendelwurz - Epipactis leptochila subsp. neglecta KÜMPEL

 

Etymologie:
epipaktis: altgriech. Name für eine Schmarotzerpflanze (Orobanche ?)
(griech.) leptos: fein, dünn; cheilos: Lippe
(lat.) neglectus: vernachlässigt, übersehen

Typische Merkmale: Blätter lanzettlich eiförmig, manchmal herabhängend. Blütenstand locker. frische Blüten zunächst weit geöffnet, nach kurzer Zeit Sepalen und Petalen glockenförmig zusammengeneigt, Sepalen grünlich, Petalen etwas heller gefärbt und an den Rändern meist rosa. Lippe mit flachem pfannenförmigen Hypochil, innen rotbraun bis rötlich violett, mäßig mit Nektar gefüllt. Epichil länger als breit, stark nach hinten zurückgebogen, grünlichweiß, oft purpurn überlaufen. Übergang zwischen Hypochil und Epichil als schmaler Spalt ausgebildet. Viscidium in der Knospe oder auch in frischen Blüten vorhanden und kurzfristig funktionsfähig, d.h. Fremd- oder Selbstbestäubung möglich (fakultative Autogamie).

Variationsbreite: Innerhalb der Populationen ist die Unterart aufgrund der Autogamie nur wenig variabel. Zwischen den einzelnen Populationen gibt es teilweise jedoch sehr große Unterschiede und zahlreiche Bestände stimmen nicht mit der ursprünglichen Beschreibung der Unterart überein. Einige gemeldete Populationen tendieren sehr stark zur Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine).

Foto: S. Sczepanski
       
Foto: S. Sczepanski

Biotop: Schattige Buchenwälder mit wenig Unterwuchs, nur auf Kalk

Blütezeit: Anfang Juli bis Ende Juli

Verbreitung in NRW: Die Unterart wurde erst 1982 aus Thüringen beschrieben. In NRW sind bisher nur sehr wenige Fundorte in Ostwestfalen, im nördlichen Sauerland und in der Eifel bekannt. Die größte Population umfasst ungefähr 200 Pflanzen.

Rote Liste NRW: nicht enthalten

Gefährdung: Die wenigen Fundorte sind wegen der meist geringen Populationsgröße, durch forstwirtschaftliche Maßnahmen und bei Wildüberbesatz durch Verbiß stark gefährdet.